Einleitende Worte | 2015 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70sten Mal und dieses Ereignis war Anlass genug, um an das Ende der Herrschaft des Nationalsozialismus und des dadurch verursachten Leides zu erinnern. Für viele Menschen bedeutete das Kriegsende aber zunächst nicht Frieden und Freiheit, sondern sie mussten in Nachkriegsdeutschland mit den Folgen des Krieges zurechtkommen – der Zerstörung der Städte, der Not, dem Hunger, der Flucht und Vertreibung. Nach 70 Jahren gibt es nicht mehr viele Menschen, die den Krieg im Erwachsenenalter erlebt haben. Aber es gibt noch die damaligen Kinder, die in einem vom Krieg geprägten Land aufwuchsen. Oft waren die Eltern dieser Kinder nicht in der Lage, ihre eigenen Erfahrungen zu verarbeiten. Die Nachkriegsjahre waren zudem mehr auf den ,Wiederaufbau“ ausgerichtet und schufen eher ein Klima der Verdrängung, das verhinderte, sich aktiv der Vergangenheit zu stellen.

Die Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. hatte anlässlich der Erinnerung an das Kriegsende 1945 in Uelzen zu einem Erzählcafé am 12. Juni 2015 in die Woltersburger Mühle eingeladen. Moderiert von Sigrid Salomo und Gerard Minnaard sollten Menschen zu Wort kommen, die als Kinder das Kriegsende in Uelzen erlebt haben. Heute gehören sie zunehmend zur letzten Zeugengeneration, die in direkter Weise über die eigenen Erlebnisse und Gefühle berichten und somit ein authentisches Bild vom damaligen Lebensalltag vermitteln kann. Erzählerinnen und Erzähler, die dazu bereit waren, waren schnell gefunden. Ihre Erinnerungen haben wir aufgezeichnet.

Vergessen wir aber nicht: Alles Erlebte dieser Generation ist die Folge einer menschenverachtenden, verbrecherischen Politik, die mit der Machtübernahme Hitlers 1933 ihre vermeintliche Legitimation erhielt. Jeder Mensch ist geprägt durch bestimmte Ereignisse in seiner Kindheit und Jugend. Dies kann für Menschen, die als Kinder Krisenzeiten überstehen mussten, lebenslange Folgen haben. Und Erwachsene konnten ihnen oft nur wenig Halt bieten, weil sie selbst hilflos waren.

Die Journalistin Sabine Bode („Die vergessene Generation“ – Verlag Klett-Cotta) hat herausgefunden, dass diese unauffällige Generation, geboren zwischen den Jahren 1930 und 1945, erzogen zu Stillschweigen und Disziplin, sich schwertut, über den Krieg zu reden, weil sie auch keine Worte dafür findet. Sie hat damals den Krieg als „normalen Zustand“ empfunden und wurde angehalten, ihn zu akzeptieren und nicht in Frage zu stellen. Umso mehr wissen wir es zu schätzen, dass diese „Kriegskinder“ heute bereit sind über ihre Erlebnisse zu berichten. Dazu haben wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in unser Erzählcafé eingeladen – hier sind ihre Erinnerungen!

Alle Einzelbeiträge – wie die niedergeschriebenen Erinnerungen der Teilnehmer – finden Sie unter der Rubrik: Kriegskinder erzählen.

Uelzen 1945 – Kriegskinder erzählen

Aufzeichnungen zum Erzählcafé der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. am 12. Juni 2015.

Alle Texte dieser Rubrik beziehen sich auf diese Broschüre.

Wir danken allen am Erzählcafé Beteiligten, der Uelzener Versicherung für ihre Unterstützung und Horst Hoffmann für hilfreiche Tipps und Informationen sowie die Zurverfügungstellung von Fotos.

Autoren

  • Renate Meyer-Wandtke | Wohnhaft in Uelzen seit 1976. Lehramtsstudium an der Universität Osnabrück und bis zu ihrer Pensionierung Lehrerin an der Lucas-Backmeister-Schule in Uelzen. Mitglied der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V..

  • Sigrid Salomo, zwei Kinder, wohnhaft in Uelzen seit 1979, Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Berlin und bis zur Pensionierung als Lehrerin an der Sternschule in Uelzen tätig. Mitglied der Geschichtswerkstatt Uelzen seit 2014.