Wir haben dieser „Schaufenster-Ausstellung“ den Titel „130 Jahre Jüdisches Leben in Uelzen“ gegeben, genauer hätte es heißen müssen: 132 Jahre, doch wir haben zu Gunsten einer klaren Aussage in diesem Fall abgerundet um den Gegensatz zu „1700 Jahre Jüdisches Leben In Deutschland“ deutlicher hervorzuheben.

Ja, vor genau 1700 Jahren nahm der römische Kaiser Konstantin das Edikt zurück, demzufolge jüdische Bürger keine öffentlichen Ämter bekleiden durften. Im Jahre 321 nun wurden Kölner Juden in den Rat berufen, ein Vorgang, der für die Uelzener Juden nie in Erfüllung ging.

Zwischen 1810 -1813 ließen sich drei jüdische Händler in Uelzen nieder, von den zwei nach Untergang des Königreichs Westfalen in Uelzen gegen den entschiedenen Protest der Kramergilde bleiben durften. Die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder stieg nur langsam an, um 1900 erreichte sie mit 93 Mitliedern den Höchststand – 42 Jahre später, am 19.Juli 1942 wurden die letzten 5 Uelzener Juden und Jüdinnen deportiert, insgesamt wurden in der Zeit zwischen 1941-1945 16 Uelzener Bürger jüdischen Glaubens ermordet.

Wir haben dieser Ausstellung noch einen Untertitel gegeben: „….. eine Geschichte zwischen Anpassung und Ausgrenzung“. Ja auch die Uelzer Juden haben sich angepasst verhalten, sie waren treue Staatsbürger, die wie viele deutsche Männer begeistert in den Krieg zogen, in der Hoffnung durch diesen Dienst am Vaterland ihre Treue zu Deutschland unter Beweis stellen zu können – doch weit gefehlt- endlich glaubten sie angekommen zu sein – welch ein Irrtum. Schon der Jude Walter Rathenau, kurzzeitig deutscher Außenminister klagte kurz vor seiner Ermordung: „Wir Juden sind als Bürger 2. Klasse in die Welt getreten- keine Tüchtigkeit, kein Verdienst kann uns aus dieser Lage befreien- es gibt kein erhofftes Eintrittsbillet in die deutsche Gesellschaft.

Und Bürger 2. Klasse durften auch nicht ihre Toten in den Grenzen der Stadt beerdigen, das sollte lieber draußen geschehen, außerhalb der Stadt, in Uelzen weit außerhalb in der Niendorfer Straße, wo Sinti und Roma sich auch mal für eine Zeit niederlassen konnten.

Gabri Macchini (l.) und Fridrich Banse (r.) von der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. sowie Linda Schützhold (m.), die Leiterin der Stadtbücherei in Uelzen führten in die Ausstellung ein.

Ja: Uelzer jüdischen Glaubens wohnten in der Stadt – sie besaßen Eigentum, das ihnen nach 1933 geraubt wurde: Lerner-Witthuhn, Plaut-Strobell.

Über die Familie Heinemann

Familie Heinemann wohnte bis zur Pensionierung in einer Dienstwohnung der Reichsbahn, Reichsbahnrat im technischen Dienst, zuletzt zur Miete in einer geräumigen 5-Zimmer Wohnung in der Weddischen Villa. Heinemanns fühlten sich integriert, was er in Briefen zum Ausdruck brachte und was auch ein Ausflugsfoto verdeutlicht- Ehepaar Heinemann mit Tochter und Schwiegersohn- doch die Integration war nur oberflächlich, was der gleiche K.Heinemann in Briefen nach 1933 zum Ausdruck brachte.

Heinemann war umfassend interessiert an Gartenbau, an moderner Literatur, aber auch Literatur zur Technik des Eisenbahnbaus, sein Fachgebiet, stand in seiner Bibliothek.

Heinemanns hatten 3 Kinder:

  • Gertrud: früh geheiratet – konvertiert- künstlerisch begabt, dieses nicht ausgelebt – früh 1943 eines natürlichen Todes gestorben
  • Hermann – Medizinstudium – promoviert- danach schriftstellerisch tätig
  • Julius – kaufmännische Lehre – Geschäftsführer eines Baustoffunternehmens- 1933 Flucht nach Frankreich

Was haben diese beiden Brüder gemeinsam

  • Gründungsmitglieder des Wandervogels
  • Abitur an der OfJ Uelzen
  • Kriegsteilnehmer- freiwillig
  • Verfolgung durch die Gestapo und später durch die frz. Polizei
  • Langwierige schwierige Auseinandersetzung mit deutschen Behörden nach 1945

Das Besondere an der Erarbeitung dieser Familienbiografie: eine Fülle von Fotos

Die Geschichte des Sofas

Anfang 2020 Anruf von Frau M. das Haus der Großeltern-Eltern soll verkauft werden – der Haushalt soll aufgelöst werden aber da gab es Möbel, über deren Herkunft Großeltern und Eltern nie klar Auskunft gaben, nur soviel erfuhren sie: Die Möbel sollen aus dem Besitz Uelzer Juden stammen…. Siehe weiter HW….(ich lese aus dem Brief von Frau Meyer an mich vor)

Und das zum Schluss: Unsere Bitte an die Museumsmacher des neuen Museums Uelzen: Mit dieser zweiten Ausstellung zur Geschichte der Uelzener Juden setzen wir ein Zeichen: Räumen Sie der Geschichte der jüdischen Gemeinde Uelzen im neuen Museum einen diesen Menschen gebührenden Platz ein, wir werden Sie dabei gerne unterstützen.