Gerard Minnaard:
Es gibt bestimmte Erfahrungen, die man macht, die sehr schwierig, sehr unterschiedlich sind. Ich finde es beeindruckend, wenn erzählt wird, der Kirchturm brannte und alle weinen und gleichzeitig ist da ein Kauf
mann, der sagt, die V-Waffen, die werden es schaffen. Alles gleichzeitig an einem Ort, alles widersprüchliche Erfahrungen und es ist gut, das voneinander zu hören. Und das Andere ist natürlich die Erkenntnis, die
man dadurch gewinnt, dass man über Erfahrungen nachdenkt.
Man könnte wahrscheinlich stundenlang erzählen und auch erstaunlich detailliert.
Alles, was man erzählt, hängt unmittelbar mit 1933 zusammen, gleichwohl und weil wir zeitlich weiter sind, hat man auch gemerkt, dass diese dramatischen Erfahrungen wichtig sind und ihren Platz brauchen. Vielleicht kann man ja auch davon lernen.
Heute haben wir es auch wieder mit Flüchtlingen zu tun, die aus Kriegsgebieten kommen. Mich würde interessieren, ob das miteinander zu tun hat, dass damals Menschen auf der Flucht gewesen sind und dass
jetzt wieder Menschen kommen, die auch auf der Flucht sind und die zum Teil auch nicht willkommen sind. Vielleicht kann man etwas lernen, wenn man hört, wie schlimm es ist, auf einmal ohne Vater, ohne Mutter,
mit nichts da zustehen und so mit dem Leben fertig zu werden.

Die Moderatoren Gerard Minnaard und Sigrid Salomo.

Sigrid Salomo:
Unser Thema war „Kriegskinder“ und wenn wir an Kriegskinder denken, dann denken wir sofort an Opfer, deutsche Kriegskinder waren Opfer.
Deutsche waren aber auch Täter, das dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, vor allem den Beginn 1933.
Zum Schluss möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Bereitschaft zur Teilnahme an diesem Erzählcafé bedanken und dafür, dass Sie uns an Ihren teilweise sehr ergreifenden Erinnerungen teilhaben ließen. Ich denke, es ist wichtig, dass diese damals weitgehend verschwiegenen Geschichten, die eine ganze Kindheitsgeneration prägten und, wie wir wissen, sich teilweise auch auf die nächste Generation übertragen haben, heute erzählt werden. Wichtig, einmal für die Einzelnen, die erzählen, aberauch für die Identität und Zukunft der Deutschen als Europäer und vor allem zum Bewahren unserer Sensibilität für die aktuellen Flüchtlingsdramen, bei denen wieder Kinder die Hauptleidtragenden sind.