Es hat in der Vergangenheit bereits einzelne Veröffentlichungen über Frauen aus Uelzen und Umgebung, vorzugsweise in ihrer Bedeutung als Künstlerinnen oder Schriftstellerinnen, gegeben. Es fehlte aber bis heute eine Übersicht oder Darstellung, die sich ausschließlich mit dem vielfältigen Engagement von Frauen beschäftigt. Mit unserem Buch „Frauen, die Uelzen beweg(t)en“ wird auch ein Stück Heimatgeschichte geschrieben, nur eben mehr aus dem weiblichen Blickwinkel. Es ist eigentlich nicht erklärungsbedürftig, dass Menschen von der Umwelt, in der sie leben, geprägt werden, sie aber auch aktiv gestalten. Dass Frauen das auch getan haben, wurde ihnen lange nicht zugestanden.

Es ist Geschichtsschreibung aus der Perspektive von Frauen.

Die Arbeitsgruppe – Karin Banse, Christine Böttcher, Ute Chlechowitz, Dorothee Ebeling und Renate Meyer-Wandtke – hat, zusammen mit zwei Autoren, 22 Aufsätze über Frauen, die in einem Zeitraum, vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart lebten und leben, verfasst.

In diesen Frauenleben spiegeln sich auch die allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnisse wider. So haben wir mit den beiden ersten Aufsätzen über Prinzessin Apollonia, Schwester von Herzog Ernst dem Bekenner,
und der Magd Margreta Hobermann zwei Frauenleben aus dem 16. Jahrhundert, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Dass wir mit dem Artikel über Margreta Hobermann zumindest einen kleinen Einblick in die Lebenssituation von Frauen der unteren sozialen Schicht der frühen Neuzeit bekommen können, ist aufgrund der ansonsten insgesamt eher spärlichen Aussagen über Frauen dieser Zeit eine kleine Besonderheit, die der Tatsache eines aufsehenerregenden Vaterschaftsprozesses und der ungewöhnlichen Schreibfreudigkeit eines Zeitzeugen, nämlich des Ratsherren Tile Hagemann, zu verdanken ist. Die folgenden Lebensläufe aus dem 18. und 19. Jahrhundert wiederum zeigen, dass das Leben der Frauen in der – noch bestehenden ständischen Gesellschaft in einem eng begrenzten Rahmen verlief, das von ihrer sozialen Herkunft bestimmt wurde, das sie aber durchaus selbstbewusst und entscheidungsfreudig zu gestalten wussten – auch über die ihnen zugewiesenen geschlechtsspezifischen Tätigkeiten hinaus. Die im 19. Jahrhundert beginnenden enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen haben auch weibliche Lebensläufe deutlich beeinflusst.

Die verschiedenen Biografien weisen darauf hin, dass Frauen die für sie neuen Möglichkeiten nutzten und zunehmend Einfluss auf die Gesellschaft nahmen. Markanteste Veränderung war die Zunahme der weiblichen Berufstätigkeit „außer Haus“ und überhaupt die Entstehung von Berufen für Frauen. Aber erst nach und nach erhielten sie Zugang zu Bildung und politischer Teilhabe. Mit Beginn der Weimarer Republik 1919 wurde das Wahlrecht für Frauen eingeführt, bewirkt vor allem durch die seit dem 19. Jahrhundert entstandene Frauenbewegung. In dieser Zeit stieg auch der Anteil der weiblichen Berufstätigen weiter an. Dennoch bedeuteten diese Errungenschaften nicht immer eine Verbesserung weiblicher Lebensbedingungen, da alte Rollenvorstellungen nach wie vor existierten. Das 20. Jahrhundert war auch das Jahrhundert zweier Weltkriege und der NS-Diktatur. Diese Ereignisse haben viele weibliche Lebenswege geprägt.

Gleichberechtigung im Grundgesetz verankert

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gleichberechtigung von Frauen zwar im Grundgesetz verankert, im Alltag war davon aber viele Jahre nicht viel zu spüren. Erst um die Mitte der 1960er-Jahre entstand im Umfeld der außerparlamentarischen Opposition auch eine neue Frauenbewegung, die sich gegen die nach wie vor bestehende gesellschaftliche Ungleichheit auflehnte und verstärkt eine Diskussion um das Thema Frauenemanzipation anstieß, die längerfristig gesellschaftliche Veränderungen hervorrief. Mit der Spurensuche in die Vergangenheit wird auch einen Blick auf die Gegenwart geworfen. Die Aufsätze über die Frauen der jüngeren Generation berühren auch die Frage, was Frauen heute bewegt, was sich verändert hat oder möglicherweise als “ Altlast“ mitgeschleppt wird.
Die aufgenommenen Frauenbiografien sind eine Auswahl, die u.a. von den über sie verfügbaren Quellen abhing. Dies bedeutet aber keine Wertung etwa gegenüber nicht porträtierten Frauen. Sie sollen damit beispielhaft für viele nicht genannte Frauen und deren Leistung ihrer Generation stehen, die nicht vergessen werden sollen und ein Vorbild für die Zukunft sein können.

Vielen Frauen wurde nichts „Großes in die Wiege“ gelegt, aber sie haben Großes geleistet:

– Sie wollten sich nicht mit den traditionellen Fesseln und Beschränkungen abfinden, sondern aktiv die Lebensbedingungen in ihrem Umfeld mit gestalten.
– Sie haben ihre besonderen Fähigkeiten und Leidenschaften für eine Verbesserung und Änderung ihres unmittelbaren Lebensumfelds unermüdlich und beharrlich eingesetzt – sei es für Politik, Kunst, Kultur, Frauen-Sport…. .
– Sie ließen sich nicht von den sie in die Schranken weisenden Männer einschüchtern und hatten Erfolg.

Die aufgenommenen Frauenbiographien sind eine Auswahl, die u.a. von den über sie verfügbaren Quellen abhing; sie stellen keine Wertung gegenüber nicht porträtierten Frauen und deren Leistung in ihrer Generation dar. „Unsere“ Frauen stehen beispielhaft für viele nicht genannte Frauen und deren Leistung in ihrer Generation und Zeit. Alle sind es wert nicht vergessen zu werden.