Im Herbst 2012 fand sich eine Gruppe von Frauen mit der Idee zusammen, ein Buch über das Leben und Wirken von Frauen aus dem Landkreis Uelzen zu schreiben. Angeregt u.a. von entsprechenden Vorbildern aus dem Kreis Celle und Lüneburg sowie auch der Stadtführung über Frauenschicksale aus Uelzen, die von Birgit Gercken angeboten wurde, konnte das Projekt allmählich konkretisiert werden.

Die Geschichtswerkstatt Uelzen fand sich bereit, die Herausgabe des Frauenbuches zu übernehmen.

Es hat in der Vergangenheit bereits einzelne Veröffentlichungen über
Frauen aus Uelzen und Umgebung, vorzugsweise in ihrer Bedeutung als
Künstlerinnen oder Schriftstellerinnen, gegeben. Es fehlt aber bis heute
eine Übersicht oder Darstellung, die sich ausschließlich mit dem vielfältigen Engagement von Frauen beschäftigt. Für die Auswahl der in Frage kommenden Frauen traf die Arbeitsgruppe keine zeitliche Eingrenzung. Vorbedingung war zunächst einmal nur, dass die Frauen auf ihre Art und Weise versucht haben, etwas „in Bewegung” zu setzen und damit vielleicht aus dem „üblichen Rahmen” fallen. Mit dem Frauenbuch geht es auch darum, ein Stück Heimatgeschichte zu schreiben, nur eben mehr aus dem weiblichen Blickwinkel. Es ist eigentlich nicht erklärungsbedürftig, dass Menschen von der Umwelt, in der sie leben, geprägt werden, sie aber auch aktiv gestalten. Dass Frauen das auch getan haben, wurde ihnen lange nicht zugestanden.

Als einer der ersten Vorbereitungsschritte wurde durch die Initiative der Helene-Weber-Preisträgerin Ute Chlechowitz die Wanderausstellung des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Jugend und Senioren „Mütter des Grundgesetzes” in Uelzen ausgestellt. Sie war vom 30.4. bis zum 28.5.2013 im Rathaus Uelzen zu sehen. Die Arbeitsgruppe stellte dafür als Eigenanteil die Lebensläufe von vier Uelzener Politikerinnen zusammen, um den Bezug zwischen bundespolitischer und lokaler Ebene verdeutlichen zu können. Die Resonanz war äußerst positiv und entsprechend motivierend. Die vielen Anregungen und Fragen aus ganz
unterschiedlichen Bevölkerungskreisen verdeutlichen, dass „Frauenthemen” längst ihr Nischendasein verlassen haben.

Letztlich entstanden 22 Aufsätze über Frauen, die in einem Zeitraum
vom 16. ]ahrhundert bis zur Gegenwart in Uelzen und Umgebung lebten und leben. Ihre Herkunft und Lebensläufe sind ganz unterschiedlich, nicht alle sind hier geboren oder haben ihr ganzes Leben hier verbracht,

besitzen aber dennoch eine intensive Beziehung zu dieser Region, die
sie auf ihre Art mitgeprägt haben.

In diesen Frauenleben spiegeln sich auch die allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnisse wider. So haben wir mit den beiden ersten Aufsätzen über Prinzessin Apollonia, Schwester von Herzog Ernst dem Bekenner, und der Magd Margreta Hobermann zwei Frauenleben aus dem 16. Jahrhundert, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Dass wir mit dem Artikel über Margreta Hobermann zumindest einen kleinen Einblick in die Lebenssituation von Frauen der unteren sozialen Schicht der frühen Neuzeit bekommen können, ist aufgrund der ansonsten insgesamt eher spärlichen Aussagen über Frauen dieser Zeit eine kleine Besonderheit, die der Tatsache eines aufsehenerregenden Vaterschaftsprozesses und der ungewöhnlichen Schreibfreudigkeit eines Zeitzeugen, nämlich des Ratsherren Tile Hagemann, zu verdanken ist. Die folgenden Lebensläufe aus dem 18. und 19. Jahrhundert wiederum zeigen, dass das Leben der Frauen in der — noch bestehenden — ständischen Gesellschaft in einem eng begrenzten Rahmen verlief, das von ihrer sozialen Herkunft bestimmt wurde, das sie aber durchaus selbstbewusst und entscheidungsfreudig zu gestalten wussten — auch über die ihnen zugewiesenen geschlechtsspezifischen Tätigkeiten hinaus. Die im 19. Jahrhundert beginnenden enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen haben auch weibliche Lebensläufe deutlich beeinflusst. Die verschiedenen Biografien weisen darauf hin, dass Frauen die für sie neuen Möglichkeiten nutzten und zunehmend Einfluss auf die Gesellschaft nahmen. Markanteste Veränderung war die Zunahme der weiblichen Berufstätigkeit „außer Haus” und überhaupt die Entstehung von Berufen für Frauen. Aber erst nach und nach erhielten sie Zugang zu Bildung und politischer Teilhabe.

Mit Beginn der Weimarer Republik 1919 wurde das Wahlrecht für Frauen eingeführt, bewirkt vor allem durch die seit dem 19. Jahrhundert entstandene Frauenbewegung. In dieser Zeit stieg auch der Anteil der weiblichen Berufstätigen weiter an. Dennoch bedeuteten diese Errungenschaften nicht immer eine Verbesserung weiblicher Lebensbedingungen, da alte Rollenvorstellungen nach wie vor existierten. Das 20. Jahrhundert war auch das Jahrhundert zweier Weltkriege und der NS-Diktatur. Diese Ereignisse haben viele weibliche Lebenswege geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gleichberechtigung von Frauen zwar im Grundgesetz verankert, im Alltag war davon aber viele Jahre nicht viel zu spüren. Erst um die Mitte der 1960er-Jahre entstand im Umfeld der außerparlamentarischen Opposition auch eine neue Frauenbewegung, die sich gegen die nach wie vor bestehende gesellschaftliche Ungleichheit auflehnte und verstärkt eine Diskussion um das Thema Frauenemanzipation anstieß, die längerfristig gesellschaftliche Veränderungen hervorrief. Mit der Spurensuche in die Vergangenheit wird auch ein Blick auf die Gegenwart geworfen. Die Aufsätze über die Frauen der jüngeren Generation berühren auch die Frage, was Frauen heute bewegt, was sich verändert hat oder möglicherweise als „Altlast“ mitgeschleppt wird.

Die aufgenommenen Frauenbiografien sind eine Auswahl, die u.a. von
den über sie verfügbaren Quellen abhing. Dies bedeutet aber keine
Wertung etwa gegenüber nicht porträtierten Frauen. Sie sollen damit
beispielhaft für viele nicht genannte Frauen und deren Leistung ihrer
Generation stehen, die nicht vergessen werden sollen und ein Vorbild
für die Zukunft sein können.

Die Arbeitsgruppe — Karin Banse, Christine Böttcher, Ute Chlechowitz,
Dorothee Ebeling und Renate Meyer-Wandtke — dankt an dieser Stelle
den finanziellen Förderern, aber auch den vielen Menschen aus dem Kreis Uelzen, die mit ihren Anregungen und Vorschlägen zur Entstehung des Buches beigetragen haben.

Dieser Text ist dem Vorwort des Buches

Frauen die Uelzen beweg(t)en
Geschichten über Frauen aus Stadt und Kreis Uelzen
Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V.

Es ist über den Medienshop der Geschichtswerkstatt zu beziehen.