Geschichtswerkstatt Uelzen beteiligt sich an Passionsandachten

Unter dem Titel „Schmerzpunkte“ luden die Kirchengemeinden der Region Mitte in Uelzen und das Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung an der Woltersburger Mühle in der Karwoche zu Andachten im öffentlichen Raum ein.
Bei diesen Veranstaltungen geht es darum, Schmerzpunkte der Gesellschaft offenzulegen und innezuhalten – in der Hoffnung, dass der Schmerz nicht das letzte Wort hat.
Einer der Treffpunkte für eine kurze Andacht war die Tafel am Rathaus Uelzen mit den Namen der vertriebenen jüdischen Bürgerinnen und Bürger Uelzens.

In einem kurzen Beitrag führte Renate Meyer-Wandtke von der Geschichtswerkstatt Uelzen dazu aus:

Im November 2006 fanden auf Initiative der Geschichtswerkstatt Uelzen, für die ich hier spreche, der Stadt Uelzen und in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen „Tage der Erinnerung an ehemalige Uelzener Bürger jüdischen  Glaubens“ statt. Aus diesem Anlass wurde von Hanna Lewinson und Bürgermeister Lukat diese Gedenktafel hier am Rathaus enthüllt. Es ist der richtige Platz.

Die Gedenktafel enthält die Namen von 49 Menschen jüdischen Glaubens, die zwischen 1933 und 1942 in Uelzen lebten. Ich nenne drei Schicksale; sie mögen für alle die Menschen stehen, die in dieser Stadt verfolgt und gedemütigt wurden:

Flora Eichmann wohnte in der Ripdorfer Straße; sie wurde im KZ Treblinka ermordet

Karl Heinemann wohnte in der Hoeffststraße: er wurde im KZ Sachsenhausen inhaftiert

Albert Heumann wohnte in der Luisenstraße; er wurde im KZ Buchenwald ermordet

Zur Einweihung dieser Gedenktafel kamen Verwandte, Angehörige und Überlebende der Shoa aus vielen Teilen der Welt; sie haben durch ihre Anwesenheit ihren Wunsch zur Versöhnung deutlich gemacht, nicht aber zum Vergessen.

„Für uns könnte das bedeuten, dass wir wach bleiben, hellwach und aufmerksam für Unrecht ……., für Ausgrenzung und Diskriminierung, da, wo sie sich auch bei uns im Kleinen, unspektakulär und ganz banal in unser Zusammenleben schleichen; und dass wir den Mut und das
offene Wort …..finden, dem Bösen entgegenzutreten, wo es bei uns Wurzeln schlägt und zu wachsen beginnt.“

(so sagte es Pastor Klingbeil in seiner Ansprache am 9.11.2006)